Schutzmann S.

 Wenn Schutzmann Schneidig kommt zur Wache,

seine Stimmung nimmer schlecht,

entlang des Flures ertönt die Lache,

der Grund dafür ist Recht.


Dies’ Recht gibt ihm die Uniform,

dazu die Paragraphen im Gesetz,

er hält sich stets an jede Norm,

überhört das lästernde Geschwätz.


Stoppt hämisch Bauer Bernd im fließenden Verkehr,

dessen Vergehen ist für ihn ein wahres,

das Güllefass wohl leicht zu schwer,

für Schutzmann Schneidig zählt nur Bares.


Kollege Konrad fragt sich irgendwann,

als beide juckeln über’s Land,

ob Schneidig nachts noch schlafen kann,

so waffenlos, gar unbemannt.


Ein Funkspruch stört die Gedanken,

Verkehrsunfall der Kategorie schwer,

plötzlich geraten sie ins Wanken,

denn Schneidig fährt als wär’ die Straße leer.


Nicht so schlimm wie erst gedacht,

stellt es sich dar am Unfallort,

Konrad innerlich schon lacht,

doch Schneidig tut als wär‘ es Mord.


Dirigiert das Geschehen hektisch mit dem Arm,

fuchtelt als leite er ein Spiel,

auf einmal meldet sich sein Darm,

es fühlt sich an wie richtig viel.


Aus Unruhe wird Panik irgendwann,

Schneidig denkt es muss doch gehen,

doch der Mittagsfisch zieht ihn in einen Bann,

da kann ihn Konrad nicht mehr sehen.


Hastig hinab die Böschung in den Graben,

öffnet er den ersten Knopf,

hockend unsichtbar für alle Wagen,

kackt er dort mit rotem Kopf.


Plötzlich bleibt ein Traktor stehen

der Fahrer weint Tränen fast vor Glück

er sitzt höher, er kann ihn sehen

es ist Bauer Bernd auf seinem Weg zurück.


„Haha, für diese Szene zahl’ ich gerne Geld“,

schreit Bernd von oben runter,

„Und danke, dass Du düngst mein Feld“,

fügt er hinzu putzmunter.


Als Schutzmann Schneidig kommt am Abend heim,

die Türe öffnet seine Frau – die Heiße,

lässt fallen vor Schreck den Wein,

„Warum stinkst Du so nach Scheiße?“


„Weißt Du, hinterher ist man immer schlauer

ich sag’s zwar grad’ nicht gerne

doch mir bewies es heut’ ein Bauer

oft war ich der Hund, jetzt bin ich die Laterne.“   

Ein Kommentar zu „Schutzmann S.

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  1. Wie schön ist doch diese Selbsterkenntnis, dass machterfüllte Uniformträger letztlich auch nur Kreaturen mit menschlichen Bedürfnissen sind. Sollte man als Staatsdiener (Betonung auf ‚Diener‘) stets im Hinterkopf behalten!!! Ansonsten ein sehr kreatives und auch witziges Gedicht! Schiller und Goethe werden neidisch…

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